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Am Anfang war der Gebärneid *




„Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“
(Deutsches Sprichwort)



In der Jungsteinzeit vor etwa 12.000 Jahren wurden Ackerbau und Viehzucht erfunden, und der Mensch wurde sesshaft. Gemeinhin wird aber immer nur der Ackerbau als Grund für die Sesshaftwerdung ** angesehen. Dabei spielt doch schon die altertümliche Paradiesgeschichte in der Bibel auf die Viehzucht als Motiv dafür an. Vertrieb uns also die Viehzucht aus dem Paradies?

Für die Männer dürfte sie jedenfalls aus 2 Gründen damals ein Segen gewesen sein, denn 1. fiel damit die Tierjagd weg, und trotzdem stand ständig Fleisch zur Verfügung, und 2. konnten sie sich als Züchter auch eine Zeit lang glaubwürdig in der Öffentlichkeit als Schöpfer von Lebewesen darstellen und so ihren Gebärneid vergessen machen.

Inspiriert wurden sie zur Tierzucht von Frauen, die verwaiste Tierkinder aufzogen und auf diese Weise zähmten (darum ist es in der Bibel auch Eva, die Adam die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis *** gibt). Die Beobachtung der Tiere bei der Fortpflanzung führte zur Entdeckung der Sexualität von Mann und Frau (die sexuelle Aufklärung war in der Altsteinzeit vor mehr als 12.000 Jahren noch unbekannt! ****).

Die Erkenntnis, dass der Schwangerschaft einer Frau immer ein Dazutun/Zeugen vom Mann vorausgeht, löste bei den Männern die fatale Einbildung aus, dass sie als Schöpfer den Frauen sogar noch überlegen wären (darum sei auch die Unterdrückung von Frauen und der Natur legitim) *****.

Der Auszug aus dem Paradies, der natürlichen und egalitären Heimat des Menschen, war der erste Schritt dieser kranken Sichtweise. Dazu erforderte die Viehzucht noch das Schaffen einer Form von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden (Ställe).





(Inspiriert wurde diese Skizze von dem Buch „Archäologie und Macht: Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte“ der Archäologin und Patriarchatsforscherin Gabriele Uhlmann)


* Empfindung eines Mangels, die sich beim Mann durch das Nicht-gebären-Können einstellt (Duden)

** siehe z.B. das Buch „Warum die Menschen sesshaft wurden“ von Josef H. Reichholf

*** symbolische Vorstellung von einem Geschlechtsakt, bei der ein Phallus (ein erigierter Penis) wie ein Baumstamm in der Baumkrone steckt und das Leben in sie hineingibt (woraufhin sie erst Frucht hervorbringen kann),
die verführerische Schlange steht symbolisch für das natürliche Feindbild des Mannes, der mütterlichen Nabelschnur nämlich

**** zum Vergleich: Der Neandertaler starb vor rund 30.000 Jahren aus, die Bilderhöhle in Chauvet (Südfrankreich) ist etwa 37.000 Jahre alt (Wikipedia)

***** der Phallus (in Form des ausgestreckten Zeigefingers) macht den Mann zum Schöpfer - DAS wollen die weltbekannten Fresken von Michelangelo „Die Erschaffung der Sonne, des Mondes und der Pflanzen“ und „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans den Betrachter glauben machen